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Der Weg in die Unmündigkeit

Keine Sprache der Welt scheint so viel Angst auszulösen wie die chinesische. Eine der meistgestellten Fragen vor meiner Abreise glich daher eher einem entsetzten Ausruf: „Du lernst doch dann nicht etwa Chinesisch!“. Das sei schon vorgesehen, murmelte ich stets als Antwort vor mich hin, und Chinesisch sei ja auch eine nützliche Sprache. Die fragenden Personen blickten mich dann immer mit einem überaus skeptischen Gesichtsausdruck an, dem ein resigniertes Kopfschütteln angesichts meiner scheinbar hartnäckigen Blauäugigkeit folgte. Darauf reagierte ich wiederum meist mit einem unverbindlichen Schulterzucken, das irgendwas zwischen „mal abwarten, wie es dann vor Ort ist“ und einem „immer mit der Ruhe, so schwer kann es doch nicht sein“ signalisieren sollte. Oft kam das Gespräch so zu einem frühzeitigen Ende, aber ein bisschen Unsicherheit blieb natürlich bestehen.

Auf nach China

Wohl kaum ein Land ist derzeit bei den Deutschen so unbeliebt wie China. Zumindest in den Kreisen, in denen ich unterwegs bin. Freunde schütteln ungläubig den Kopf, fragen, warum ich ausgerechnet nach China gehen muss und das auch noch für ein ganzes Jahr. Ein Typ in einer Berliner Bar fragt mich gar, was ich bei den „bösen Chinesen“ will. Man wisse doch, dass ihnen nichts heilig ist, schon gar nicht die so wichtigen Fundamente unserer Demokratie, unsere so hart erkämpften Menschenrechte. Flüchtige Bekannte fragen mich zudem, übrigens oft recht unvermittelt, was ich denn eigentlich von den chinesischen Männern halte, die seien doch so klein, und überhaupt: China, das ist zu laut, zu unberechenbar, zu unfrei und die Menschen sind merkwürdig, das sehe man doch an den ganzen Touristen, die ständig durch Europa touren. Ich könne meinen chinesischen Studierenden ja dann auch mal beibringen, eine eigene Meinung zu bilden, kritisch zu denken, erzählt mir einer dieser flüchtigen Bekannten weise nickend, während ich mir den Boden meines Weinglases ein bisschen genauer anschaue.