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Abschied von China

Vor gut einem Jahr saß ich mit Kollegen in einer Bar in Berlin, die Unterhaltung drehte sich um das bevorstehende Auslandsabenteur in China. Die Unsicherheit – im Nachhinein ein bisschen albern –war zu dem Zeitpunkt groß, da ein Visum für China relativ aufwendig ist, und China auch aus vielen anderen Gründen ein problematisches Land ist. „Was müsste passieren, dass wir alle nach Deutschland zurückkehren? Dass wir alle abbrechen?“, fragte einer in die Runde.

(Post-)koloniale Sprachverwerfungen und Produktionsbedingungen: Netflix und die Untertitel

In Pandemie-Zeiten kann es schon einmal vorkommen, dass man einen Film, eine Serie oder ein Buch zum zweiten oder dritten Mal in die Hand nimmt. Und so kam es dazu, dass der ganz großartige mexikanische Film „Roma“ von Afonso Cuarón, der am 30. August 2018 bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt wurde und neben zahlreichen Oscar-Nominierungen unter anderem einen Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film erhielt, kürzlich noch einmal bei mir im Heimkino lief.

Lamprecht, Albach und Kristjánsson remixen Bach

Hat die klassische Musik eine Zukunft? Haben uns Bach, Mozart & Co. heute noch etwas zu sagen, und wenn ja: was? Erfüllen Orchester, Chöre und Ensembles ihre gesellschaftliche Aufgabe allein im Bewahren der musikalischen Tradition, oder müssen sie darüber hinausreichen und -wirken?

Translation Lockdown

Von // Aus dem Spanischen von Freyja Melsted

Stellen Sie sich vor, Ihre Worte bleiben heute in der Kehle eingesperrt, unter Quarantäne. Nur wenig Licht fällt ein, es ist Frühling, man hofft auf Farbe und Leben, doch es regnet ohne Ende. Aus dem Halbdunkel tritt nichts aus, nichts ein, nicht einmal die Zeit. Nächte und Tage sind nur noch Werke und Tage – was für eine Aussage, Hesiod, was ging nur in deinem Kopf vor?

Die Grenzen des Online-Unterrichts

Wer derzeit mit Kindern zu Hause sitzt oder das Glück hat, in einem der Bildungssysteme dieser hoch vernetzen Welt zu arbeiten, der hat – neben „Kontaktsperre“ und „Öffnungsdiskussionsorgie“ – ein neues Wort in seinen täglichen Sprachgebrauch integriert: „Online-Unterricht“. Was vor wenigen Wochen noch ein semi-zukunftsträchtiges Projekt einiger Privatschulen und Universitäten war, ist nun auch im deutschen Alltag angekommen. Mich persönlich beschäftigt dieser Online-Unterricht schon seit Mitte Februar, als klar wurde, dass die chinesischen Universitäten geschlossen bleiben werden.

Von Repräsentation und Realität

Dieser Tage taucht vermehrt ein deutsches Wissenschaftsgremium in den Medien auf: die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Erst einmal hat das nicht so viel mit dem Übersetzen zu tun, aber es wird im Lauf des Textes klar werden, was es hier soll – versprochen.

Busoni remixt Bach

In der letzten Kolumne haben wir den ersten großen Interpreten der Werke Johann Sebastian Bachs kennen gelernt: Bach selbst. Springen wir nun rund 100 Jahre in der Zeit voraus und widmen uns der zweiten großen Epoche der Bach-Bearbeitung: der Romantik.

Freudige Augen

Von // Aus dem Spanischen von Freyja Melsted

Wir leben in einem Zeitalter, das sich beste Mühe gibt, ein Zeitalter der Vielfalt zu sein – offen für Gefühle von Zugehörigkeit zu sein, die Idee der Vorbestimmtheit zu leugnen, um Verständnis für den Drang der Menschen zu der von jedem einzelnen ersehnten Zukunft aufzubringen.

Hauptsache süß

Meine chinesischen Studierenden, die sich seit Wochen tapfer durch Online-Seminare quälen, haben ein deutsches Lieblingswort, das sie immer und immer wieder verwenden. Wenn ich sie auffordere eine Person zu beschreiben oder ihre Meinung zu Musik, Popkultur oder Filmstars einhole, landen wir stets bei derselben Vokabel: „süß“. Fortgeschrittenere verwenden auch gern mal Synonyme wie „niedlich“ oder gar „liebenswürdig“. Die Studierenden finden auch mich „süß“, obwohl ich ihre Dozentin bin und sie mit der deutschen Sprache ärgere. Für sie gibt es jedoch kein größeres Kompliment als jemanden mit diesem Prädikat zu versehen.

Sichtbarkeit und Verantwortung

Was wir gerade auf globaler Ebene erleben, ist nicht nur psychologisch, sondern auch kulturell hochspannend. Wir Spracharbeiterinnen (Männer und Diverse sind wie immer mitgemeint) konsumieren wohl alle gewohnheitsmäßig Nachrichten aus unterschiedlichen Kulturkreisen, und einige beobachten dabei, wie medial Wahrheit konstruiert wird, wie sich Diskurse durch reale Ereignisse verändern, wie auch Notsituationen hier und da instrumentalisiert werden und welche Regierungen und Staatschefs wie verantwortlich handeln bzw. sich auf unterschiedliche Weise aus ihren Pflichten herauslavieren. Es ist in jedem Fall eine äußerst spannende Zeit.