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Anthropophagische Übersetzungspraxis I: Es soll glitzern!

Über Sicht­barkeit und Unsicht­barkeit von Über­set­zerin­nen (wie immer, gener­isches Fem­i­ninum) habe ich in dieser Kolumne schon einiges geschrieben – bish­er ten­den­ziell eher abstrakt als konkret, eher außer­halb als inner­halb der über­set­zten Büch­er. Dies­mal möchte ich über ein in meinen Augen gelun­ge­nes Beispiel anthro­pophagis­ch­er Über­set­zung­sprax­is bericht­en (wer möchte, kann hier nach­le­sen, was es mit dem Begriff auf sich hat).

Flatten that other curve! Für eine Gemeinwohlökonomie am Buchmarkt

Die aktuelle (ja, doch, sie ist noch immer da) Coro­na-Pan­demie stellte und stellt uns vor eine Menge Her­aus­forderun­gen. Sie bot und bietet aber auch Chan­cen. Chan­cen zum Nach­denken darüber, was gesellschaftlich verbessert wer­den kön­nte. Darüber, was wir wirk­lich brauchen und was kap­i­tal­is­tisch erzeugte Bedarfe für Phan­tasiewe­sen sind, deren Eigen­schaften wir vielle­icht gerne hät­ten, die aber nichts damit zu tun haben, wer wir wirk­lich sind und die nur dazu dienen, Prof­ite zu max­imieren.

(Post-)koloniale Sprachverwerfungen und Produktionsbedingungen: Netflix und die Untertitel

In Pan­demie-Zeit­en kann es schon ein­mal vorkom­men, dass man einen Film, eine Serie oder ein Buch zum zweit­en oder drit­ten Mal in die Hand nimmt. Und so kam es dazu, dass der ganz großar­tige mexikanis­che Film „Roma“ von Afon­so Cuarón, der am 30. August 2018 bei den Film­fest­spie­len in Venedig gezeigt wurde und neben zahlre­ichen Oscar-Nominierun­gen unter anderem einen Gold­en Globe für den besten fremd­sprachi­gen Film erhielt, kür­zlich noch ein­mal bei mir im Heimki­no lief.

Von Repräsentation und Realität

Dieser Tage taucht ver­mehrt ein deutsches Wis­senschafts­gremi­um in den Medi­en auf: die Nationale Akademie der Wis­senschaften Leopold­ina. Erst ein­mal hat das nicht so viel mit dem Über­set­zen zu tun, aber es wird im Lauf des Textes klar wer­den, was es hier soll – ver­sprochen.

Sichtbarkeit und Verantwortung

Was wir ger­ade auf glob­aler Ebene erleben, ist nicht nur psy­chol­o­gisch, son­dern auch kul­turell hochspan­nend. Wir Sprachar­bei­t­erin­nen (Män­ner und Diverse sind wie immer mit­ge­meint) kon­sum­ieren wohl alle gewohn­heitsmäßig Nachricht­en aus unter­schiedlichen Kul­turkreisen, und einige beobacht­en dabei, wie medi­al Wahrheit kon­stru­iert wird, wie sich Diskurse durch reale Ereignisse verän­dern, wie auch Not­si­t­u­a­tio­nen hier und da instru­men­tal­isiert wer­den und welche Regierun­gen und Staatschefs wie ver­ant­wortlich han­deln bzw. sich auf unter­schiedliche Weise aus ihren Pflicht­en her­auslavieren. Es ist in jedem Fall eine äußerst span­nende Zeit.

Das Translatier macht einen Übersatz

Ziem­lich sofort nach­dem ich meinen let­zten Kolum­nen­text abgeschickt hat­te, fiel mir eine Episode oder vielmehr ein Phänomen aus meinem Über­set­zerin­nen­studi­um in Ger­m­er­sheim ein. Gle­ich bei der Ein­führungsver­anstal­tung polterte ein älter­er Herr mit Hut herum, rief die „nachwach­senden Rohstoffe“ auf, nach rechts und links zu schauen mit den Worten „jed­er Zweite wird rein sta­tis­tisch gese­hen das Studi­um in diesem hohen Hause nicht been­den“.

Von Spuckefäden und Panzernashörnern

Das neue Jahr ist soeben ange­brochen, ein Anlass, um auch bei mein­er Kolumne die Segel neu zu hissen. Noch bin ich beflügelt vom etwas irra­tionalen und willkür­lichen Opti­mis­mus der neuen Jahreszahl und daher möchte ich dies­mal kon­struk­tiv ein paar schöne Bilder für das Sprechen über die Tätigkeit des Über­set­zens vorschla­gen. Selb­stre­dend ist es eine sehr indi­vidu­elle Auswahl aus der uner­schöpflichen Schatzk­iste Sprache bzw. Lit­er­atur, die ich über die Jahre ange­sam­melt habe. Man mag sie passend find­en oder nicht.

Warum Treue nicht funktioniert

In den Tex­ten dieser Kolumne habe ich mich bish­er auf ein­er abstrak­ten Ebene bewegt. Es geht mir nicht so sehr um die Qual­ität von Über­set­zun­gen oder um konkrete Meth­o­d­en beim Über­set­zen. Das ist auch wichtig, aber erstens ste­ht es mir in meinen Augen nicht zu, die Arbeit mein­er Kol­legin­nen (männliche Vertreter wie immer mit­ge­meint) zu bew­erten, und zweit­ens kommt es (mir hier) tat­säch­lich nicht auf das Ergeb­nis an. Vielle­icht wird das auch ein­mal The­ma, aber erst ein­mal nicht.

Sprache ist kein Fettgewebe

Wie wir über das Über­set­zen sprechen, hat einen Ein­fluss darauf, wie wir diejeni­gen, die es betreiben, (nicht) wahrnehmen. In dieser Kolumne nehme ich mir ein­er­seits gängige Über­set­zungsmeta­phern vor. Ander­er­seits habe ich das Glück, auf die Vorar­beit des geschätzten Kol­le­gen Frank Heib­ert zurück­greifen zu kön­nen, dessen Antrittsrede zur Schlegel-Pro­fes­sur 2016 unter dem Titel „Let’s get loud“ genau dies zum The­ma hat­te. Mir geht es darum, wie diese Bilder dazu beitra­gen, Über­set­zerin­nen (gener­isches Fem­i­ninum, wie gewohnt) unsicht­bar zu machen, in den Schat­ten mächtiger Brück­en zu stellen oder zur Ver­rä­terin abzustem­peln. Und vor allem geht es darum, sprach­liche und the­o­retis­che Möglichkeit­en aufzu­tun, wie wir Über­set­zerin­nen unsere Tätigkeit als eine kreative sicht­bar machen kön­nen.