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Das Leben in der digitalen Zukunft

Neulich auf dem Nan­jinger Flughafen sprach mich jemand aus Weißrus­s­land an. Weit und bre­it die einzi­gen zwei „Expats“ zu sein, verbindet schließlich immer. Das gemein­same Durch­laufen der chi­ne­sis­chen Emi­gra­tionsprozedere auch. Es fol­gte also ein wenig Small Talk, der mit der Frage endete: „Kann ich noch kurz deinen QR-Code scan­nen?“ Daraufhin zück­te ich mein Handy und gener­ierte mit erstaunlich­er Abgek­lärtheit besagten QR-Code, der wiederum in Blitzschnelle vom Gegenüber einges­can­nt wurde, man wolle den Flug ja nicht ver­passen.

Auf nach China

Wohl kaum ein Land ist derzeit bei den Deutschen so unbe­liebt wie Chi­na. Zumin­d­est in den Kreisen, in denen ich unter­wegs bin. Fre­unde schüt­teln ungläu­big den Kopf, fra­gen, warum ich aus­gerech­net nach Chi­na gehen muss und das auch noch für ein ganzes Jahr. Ein Typ in ein­er Berlin­er Bar fragt mich gar, was ich bei den „bösen Chi­ne­sen“ will. Man wisse doch, dass ihnen nichts heilig ist, schon gar nicht die so wichti­gen Fun­da­mente unser­er Demokratie, unsere so hart erkämpften Men­schen­rechte. Flüchtige Bekan­nte fra­gen mich zudem, übri­gens oft recht unver­mit­telt, was ich denn eigentlich von den chi­ne­sis­chen Män­nern halte, die seien doch so klein, und über­haupt: Chi­na, das ist zu laut, zu unberechen­bar, zu unfrei und die Men­schen sind merk­würdig, das sehe man doch an den ganzen Touris­ten, die ständig durch Europa touren. Ich könne meinen chi­ne­sis­chen Studieren­den ja dann auch mal beib­rin­gen, eine eigene Mei­n­ung zu bilden, kri­tisch zu denken, erzählt mir ein­er dieser flüchti­gen Bekan­nten weise nick­end, während ich mir den Boden meines Wein­glases ein biss­chen genauer anschaue.