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Von Repräsentation und Realität

Dieser Tage taucht ver­mehrt ein deutsches Wis­senschafts­gremi­um in den Medi­en auf: die Nationale Akademie der Wis­senschaften Leopold­ina. Erst ein­mal hat das nicht so viel mit dem Über­set­zen zu tun, aber es wird im Lauf des Textes klar wer­den, was es hier soll – ver­sprochen.

Busoni remixt Bach

In der let­zten Kolumne haben wir den ersten großen Inter­pre­ten der Werke Johann Sebas­t­ian Bachs ken­nen gel­ernt: Bach selb­st. Sprin­gen wir nun rund 100 Jahre in der Zeit voraus und wid­men uns der zweit­en großen Epoche der Bach-Bear­beitung: der Roman­tik.

Freudige Augen

Von // Aus dem Spanischen von Freyja Melsted

Wir leben in einem Zeital­ter, das sich beste Mühe gibt, ein Zeital­ter der Vielfalt zu sein – offen für Gefüh­le von Zuge­hörigkeit zu sein, die Idee der Vorbes­timmtheit zu leug­nen, um Ver­ständ­nis für den Drang der Men­schen zu der von jedem einzel­nen ersehn­ten Zukun­ft aufzubrin­gen.

Hauptsache süß

Meine chi­ne­sis­chen Studieren­den, die sich seit Wochen tapfer durch Online-Sem­i­nare quälen, haben ein deutsches Lieblingswort, das sie immer und immer wieder ver­wen­den. Wenn ich sie auf­fordere eine Per­son zu beschreiben oder ihre Mei­n­ung zu Musik, Pop­kul­tur oder Film­stars ein­hole, lan­den wir stets bei der­sel­ben Vok­a­bel: „süß“. Fort­geschrit­tenere ver­wen­den auch gern mal Syn­onyme wie „niedlich“ oder gar „liebenswürdig“. Die Studieren­den find­en auch mich „süß“, obwohl ich ihre Dozentin bin und sie mit der deutschen Sprache ärg­ere. Für sie gibt es jedoch kein größeres Kom­pli­ment als jeman­den mit diesem Prädikat zu verse­hen.

Sichtbarkeit und Verantwortung

Was wir ger­ade auf glob­aler Ebene erleben, ist nicht nur psy­chol­o­gisch, son­dern auch kul­turell hochspan­nend. Wir Sprachar­bei­t­erin­nen (Män­ner und Diverse sind wie immer mit­ge­meint) kon­sum­ieren wohl alle gewohn­heitsmäßig Nachricht­en aus unter­schiedlichen Kul­turkreisen, und einige beobacht­en dabei, wie medi­al Wahrheit kon­stru­iert wird, wie sich Diskurse durch reale Ereignisse verän­dern, wie auch Not­si­t­u­a­tio­nen hier und da instru­men­tal­isiert wer­den und welche Regierun­gen und Staatschefs wie ver­ant­wortlich han­deln bzw. sich auf unter­schiedliche Weise aus ihren Pflicht­en her­auslavieren. Es ist in jedem Fall eine äußerst span­nende Zeit.

Bach remixt Bach

Bish­er sind wir in dieser Kolumne recht kur­sorisch durch die Musikgeschichte geschlen­dert und nicht im Sinne ein­er kohärenten „His­to­rie des Remix“ durch die Epochen gewan­dert.

Man kön­nte den Ein­druck gewin­nen, das Bear­beit­en fremder Musik kenne keine Tra­di­tio­nen oder Zusam­men­hänge. Dabei ist das Gegen­teil der Fall. Remix war zwar immer ein Bestandteil abendländis­ch­er Musikkul­tur – aber wie alle Kun­st­for­men ist er durch Hoch- und Tief­phasen gegan­gen und hat Schulen gebildet, die über Jahre stil­bildend wirk­ten.

Chinesisch für Anfänger

Chi­na ist noch immer in weit­er Ferne. Die Sit­u­a­tion vor Ort scheint sich zu bessern, doch wann das nor­male Leben weit­er geht, weiß noch immer nie­mand. Ver­bun­den füh­le ich mich dem Land derzeit vor allem über Sprache. Ganz Chi­na ist auf Online-Unter­richt umgestiegen, darunter auch meine Chi­ne­sisch-Lehrerin, die uner­müdlich ver­sucht, mich durch die ver­schiede­nen Sprach­lev­el zu lot­sen. Vor ein paar Monat­en hat­te ich von meinem Weg in die Unmündigkeit berichtet – und auch von dem damals selb­st aufer­legten Ziel, zumin­d­est ein biss­chen Chi­ne­sisch zu ler­nen. Zeit also für ein kurzes Update.

Das Translatier macht einen Übersatz

Ziem­lich sofort nach­dem ich meinen let­zten Kolum­nen­text abgeschickt hat­te, fiel mir eine Episode oder vielmehr ein Phänomen aus meinem Über­set­zerin­nen­studi­um in Ger­m­er­sheim ein. Gle­ich bei der Ein­führungsver­anstal­tung polterte ein älter­er Herr mit Hut herum, rief die „nachwach­senden Rohstoffe“ auf, nach rechts und links zu schauen mit den Worten „jed­er Zweite wird rein sta­tis­tisch gese­hen das Studi­um in diesem hohen Hause nicht been­den“.

Richter und Rasmussen remixen Vivaldi

Anto­nio Vivald­is Konz­ertzyk­lus „Die vier Jahreszeit­en“, kom­poniert im Jahr 1725, gehört zu den meist­ge­spiel­ten Werken des Klas­sik-Main­streams über­haupt; wer möchte, kann dieses Werk an jedem Woch­enende irgend­wo hören, ohne beson­ders weit fahren zu müssen. Im Novem­ber ver­gan­genen Jahres gelang es dem Elbphil­har­monie Orch­ester Ham­burg den­noch, mit ein­er Auf­führung dieses Werkes eini­gen Medi­en­rum­mel zu erzeu­gen.