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Die Grenzen des Online-Unterrichts

Wer derzeit mit Kindern zu Hause sitzt oder das Glück hat, in einem der Bildungssysteme dieser hoch vernetzen Welt zu arbeiten, der hat – neben „Kontaktsperre“ und „Öffnungsdiskussionsorgie“ – ein neues Wort in seinen täglichen Sprachgebrauch integriert: „Online-Unterricht“. Was vor wenigen Wochen noch ein semi-zukunftsträchtiges Projekt einiger Privatschulen und Universitäten war, ist nun auch im deutschen Alltag angekommen. Mich persönlich beschäftigt dieser Online-Unterricht schon seit Mitte Februar, als klar wurde, dass die chinesischen Universitäten geschlossen bleiben werden.

Von Repräsentation und Realität

Dieser Tage taucht vermehrt ein deutsches Wissenschaftsgremium in den Medien auf: die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Erst einmal hat das nicht so viel mit dem Übersetzen zu tun, aber es wird im Lauf des Textes klar werden, was es hier soll – versprochen.

Busoni remixt Bach

In der letzten Kolumne haben wir den ersten großen Interpreten der Werke Johann Sebastian Bachs kennen gelernt: Bach selbst. Springen wir nun rund 100 Jahre in der Zeit voraus und widmen uns der zweiten großen Epoche der Bach-Bearbeitung: der Romantik.

Freudige Augen

Von // Aus dem Spanischen von Freyja Melsted

Wir leben in einem Zeitalter, das sich beste Mühe gibt, ein Zeitalter der Vielfalt zu sein – offen für Gefühle von Zugehörigkeit zu sein, die Idee der Vorbestimmtheit zu leugnen, um Verständnis für den Drang der Menschen zu der von jedem einzelnen ersehnten Zukunft aufzubringen.

Hauptsache süß

Meine chinesischen Studierenden, die sich seit Wochen tapfer durch Online-Seminare quälen, haben ein deutsches Lieblingswort, das sie immer und immer wieder verwenden. Wenn ich sie auffordere eine Person zu beschreiben oder ihre Meinung zu Musik, Popkultur oder Filmstars einhole, landen wir stets bei derselben Vokabel: „süß“. Fortgeschrittenere verwenden auch gern mal Synonyme wie „niedlich“ oder gar „liebenswürdig“. Die Studierenden finden auch mich „süß“, obwohl ich ihre Dozentin bin und sie mit der deutschen Sprache ärgere. Für sie gibt es jedoch kein größeres Kompliment als jemanden mit diesem Prädikat zu versehen.

Sichtbarkeit und Verantwortung

Was wir gerade auf globaler Ebene erleben, ist nicht nur psychologisch, sondern auch kulturell hochspannend. Wir Spracharbeiterinnen (Männer und Diverse sind wie immer mitgemeint) konsumieren wohl alle gewohnheitsmäßig Nachrichten aus unterschiedlichen Kulturkreisen, und einige beobachten dabei, wie medial Wahrheit konstruiert wird, wie sich Diskurse durch reale Ereignisse verändern, wie auch Notsituationen hier und da instrumentalisiert werden und welche Regierungen und Staatschefs wie verantwortlich handeln bzw. sich auf unterschiedliche Weise aus ihren Pflichten herauslavieren. Es ist in jedem Fall eine äußerst spannende Zeit.

Bach remixt Bach

Bisher sind wir in dieser Kolumne recht kursorisch durch die Musikgeschichte geschlendert und nicht im Sinne einer kohärenten „Historie des Remix“ durch die Epochen gewandert.

Man könnte den Eindruck gewinnen, das Bearbeiten fremder Musik kenne keine Traditionen oder Zusammenhänge. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Remix war zwar immer ein Bestandteil abendländischer Musikkultur – aber wie alle Kunstformen ist er durch Hoch- und Tiefphasen gegangen und hat Schulen gebildet, die über Jahre stilbildend wirkten.

Chinesisch für Anfänger

China ist noch immer in weiter Ferne. Die Situation vor Ort scheint sich zu bessern, doch wann das normale Leben weiter geht, weiß noch immer niemand. Verbunden fühle ich mich dem Land derzeit vor allem über Sprache. Ganz China ist auf Online-Unterricht umgestiegen, darunter auch meine Chinesisch-Lehrerin, die unermüdlich versucht, mich durch die verschiedenen Sprachlevel zu lotsen. Vor ein paar Monaten hatte ich von meinem Weg in die Unmündigkeit berichtet – und auch von dem damals selbst auferlegten Ziel, zumindest ein bisschen Chinesisch zu lernen. Zeit also für ein kurzes Update.

Das Translatier macht einen Übersatz

Ziemlich sofort nachdem ich meinen letzten Kolumnentext abgeschickt hatte, fiel mir eine Episode oder vielmehr ein Phänomen aus meinem Übersetzerinnenstudium in Germersheim ein. Gleich bei der Einführungsveranstaltung polterte ein älterer Herr mit Hut herum, rief die „nachwachsenden Rohstoffe“ auf, nach rechts und links zu schauen mit den Worten „jeder Zweite wird rein statistisch gesehen das Studium in diesem hohen Hause nicht beenden“.