Abschied von China

Vor gut einem Jahr saß ich mit Kollegen in einer Bar in Berlin, die Unterhaltung drehte sich um das bevorstehende Auslandsabenteur in China. Die Unsicherheit – im Nachhinein ein bisschen albern –war zu dem Zeitpunkt groß, da ein Visum für China relativ aufwendig ist, und China auch aus vielen anderen Gründen ein problematisches Land ist. „Was müsste passieren, dass wir alle nach Deutschland zurückkehren? Dass wir alle abbrechen?“, fragte einer in die Runde.

Was damals neurotisch schien, wirkt nun fast prophetisch. Uns fiel damals darauf keine Antwort ein. Dass tatsächlich etwas passieren könnte, dass uns alle dazu veranlasst, einen Auslandsaufenthalt abzubrechen, schien so fernab jeglicher Lebensrealität von Endzwanzigern, die es gewohnt sind, Urlaube, Praktika, Semester, im Ausland zu verbringen. Wir sind schließlich so flexibel, international, weltoffen.

Als das Virus ausbrach, war ich wie so viele gerade im Urlaub, da im Januar in China die Hauptreisezeit ist. Wie so viele andere bin ich im Ausland gestrandet und wie so viele andere dachte auch ich, dass man zwar später als geplant, aber doch irgendwann wieder einreisen könnte. Dass aus Tagen Wochen und Monate werden würden, hatte wohl niemand wirklich vorhersehen können oder wollen.

Das Virus beschäftigt mich jetzt schon seit sechs Monaten. Als ich vor einigen Wochen nach Deutschland geflogen bin, war mir völlig klar, dass ich diesen Sommer und wahrscheinlich auch den Rest des Jahres nicht mehr nach Asien zurückkehren würde. Mein Visum ist gesperrt; wann es wieder regulären Flugverkehr geben wird, weiß niemand. Wer aber die Entwicklungen in China seit Beginn an verfolgt hat, weiß zumindest, dass es noch lange dauern wird, bis wirklich alle zur Normalität zurückkehren können.

Die Erfahrungen in China (und der ungeplanten Südostasien-Odyssee) sind Kern dieser Kolumne gewesen. Da nun aber alles anders gekommen ist, kann ich die Kolumne in dieser Form nicht mehr fortführen, auch wenn wir uns in einer Ausnahmesituation befinden und so einige Texte, die jetzt entstehen, in ein paar Jahren interessante Zeugnisse sein werden: Ein Quarantäne- oder Lockdown-Tagebuch soll aus dieser Kolumne nicht werden, dafür gibt zu viele andere Ideen, die noch im Hinterkopf schwirren. Diese Kolumne ist also die letzte dieser Reihe, aber vielleicht nicht meine letzte TraLaLit-Kolumne – ein schöner Gedanke zum Abschluss.

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